
Die Professionalität eines Hundefriseurs zeigt sich nicht nur in der Qualität des Schnitts, sondern auch darin, rechtzeitig aufzuhören. Manchmal verursacht ein zu langes Bürsten übermäßigen Stress, Schmerzen oder Verletzungsgefahr für das Tier. In solchen Situationen müssen die Sicherheit und das Wohlbefinden deines Lieblinges Vorrang vor einem vollständig abgeschlossenen Eingriff oder einem perfekten äußeren Ergebnis haben.
1. Wenn der Stress des Tieres immer stärker wird
Leichte Nervosität zu Beginn der Behandlung ist ganz normal, besonders wenn das Tier zum ersten Mal im Salon ist oder noch nicht an den Föhn, die Schermaschine oder das Berühren der Pfoten gewöhnt ist. In diesem Fall kann der Hundefriseur die Intensität des Föhnens verringern, eine Pause einlegen, die Position des Tieres ändern oder zu einem ruhigeren Schritt übergehen. Wenn sich der Zustand deines Lieblinges danach aber nicht verbessert und die Anspannung nur noch zunimmt, solltest du die Behandlung verkürzen oder abbrechen.
Starker Stress kann sich durch ständige Fluchtversuche, Zittern, schweres Atmen, Knurren, Zischen, ruckartige Bewegungen oder Abwehrbisse äußern. Es ist wichtig zu bedenken, dass Stillstand nicht immer Ruhe bedeutet: Manchmal ist das Tier so verängstigt, dass es aufhört, sich aktiv zu wehren. Wenn du die Pflege mit Gewalt fortsetzt, kann das seinen Zustand verschlimmern, das Verletzungsrisiko erhöhen und noch stärkere Angst vor den nächsten Besuchen auslösen.
In so einer Situation ist es das Richtige, nur das absolut Nötigste zu erledigen und die Behandlung zu beenden. Bei Bedarf kannst du die Pflege auf mehrere kürzere Besuche aufteilen, um das Tier schrittweise an den Salon und die einzelnen Pflegeschritte zu gewöhnen.
2. Wenn Anzeichen von Schmerzen oder einer Verschlechterung des Wohlbefindens auftreten
Die Behandlung muss sofort abgebrochen werden, wenn das Tier plötzlich schmerzhaft auf Berührungen reagiert, das Gleichgewicht verliert, träge oder desorientiert wird oder sich anders verhält als zu Beginn des Besuchs. Besondere Aufmerksamkeit erfordern erschwerte oder zu schnelle Atmung, Schwäche, Erbrechen, starke Überhitzung, Krämpfe, Stürze oder Bewusstlosigkeit. In solchen Fällen darfst du die Pflege nicht fortsetzen – du musst den Besitzer informieren und ihm raten, so schnell wie möglich einen Tierarzt aufzusuchen.
Eine plötzliche aggressive oder abwehrende Reaktion kann ebenfalls nicht nur mit Angst, sondern auch mit körperlichen Beschwerden zusammenhängen. Zum Beispiel lässt ein älterer Hund vielleicht nicht zu, dass man seine Pfoten oder seinen Rücken berührt, weil er Gelenkschmerzen hat, und ein Tier mit Hautirritationen reagiert möglicherweise heftig, wenn man eine bestimmte Stelle bürstet. Der Hundefriseur stellt weder die Ursache der Schmerzen fest noch stellt er Diagnosen, sollte aber Verhaltensänderungen rechtzeitig bemerken und die Behandlung nicht mit Gewalt fortsetzen.
3. Wenn es nicht mehr sicher ist, die Arbeit zu beenden
Selbst wenn der Zustand des Tieres nicht akut ist, muss der Hundefriseur die Arbeit unterbrechen, sobald weitere Handlungen gefährlich werden. Das kann durch starke Erschöpfung, ständige ruckartige Bewegungen, die Unfähigkeit des Tieres, lange zu stehen, offene Wunden, schmerzende Hautstellen oder sehr dichte Verfilzungen passieren, unter denen sein Zustand nicht zu erkennen ist.
In so einer Situation musst du die dekorative Gestaltung des Haarschnitts, das Kürzen aller Krallen oder einen anderen komplizierten Schritt nicht unbedingt zu Ende bringen. Manchmal ist es besser, nur den hygienisch notwendigen Teil zu erledigen und den Rest auf einen anderen Tag zu verschieben. Wenn die Behandlung der problematischen Stelle schmerzhaft ist oder eine Betäubung oder Sedierung erfordert, sollte sie in einer Tierklinik unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und nicht in einem gewöhnlichen Hundesalon.
Nach Beendigung der Behandlung solltest du dem Besitzer ruhig erklären, was genau nicht fertiggestellt werden konnte und warum. Diese Entscheidung sollte nicht als Versagen des Hundefriseurs dargestellt werden. Im Gegenteil, sie zeugt von Professionalität, denn ein guter Hundefriseur arbeitet nicht nach dem Prinzip „um jeden Preis fertig werden“.
